Soll-Besteuerung, Ist-Besteuerung und der Onlinehandel

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Umsatzsteuerrechtlich müssen Unternehmer im Rahmen der sogenannten Soll-Besteuerung ihre Leistungen bereits für den Umsatzsteuer-Voranmeldungszeitraum der Leistungserbringung versteuern. Dies gilt unabhängig davon, ob der Unternehmer zu diesem Zeitpunkt die ihm zustehende Vergütung – bestehend aus Entgelt und Steuerbetrag – bereits eingenommen hat. Das bedeutet, dass der Unternehmer die Umsatzsteuerzahllast an das Finanzamt vorfinanzieren muss. Diese Vorfinanzierung der Umsatzsteuer entfällt erst dann, wenn der Unternehmer seinen Entgeltanspruch nicht durchsetzen kann, d.h. wenn die Kundenzahlung endgültig nicht eingeht.  Anders ist es bei der sogenannten Ist-Besteuerung. Dort werden solche Liquiditätsnachteile von vornherein dadurch vermieden, dass der Steueranspruch erst für den Umsatzsteuer-Voranmeldungszeitraum der Entgeltvereinnahmung entsteht. Zur Ist-Besteuerung sind allerdings nur kleinere Unternehmen und nicht bilanzierende Freiberufler berechtigt.

Bei erhaltenen Anzahlungen entsteht die Umsatzsteuer mit Ablauf des Umsatzsteuer-Voranmeldungszeitraums, in dem das Entgelt vereinnahmt worden ist; bei der Soll-Besteuerung nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG, bei der Ist-Besteuerung nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b UStG ( Umsatzsteuergesetz). Bei erhaltenen Anzahlungen hat der Unternehmer also keinen Liquiditätsvorteil durch die Wahl der Ist-Besteuerung.

Der Vorsteuerabzug  kann nach der bisherigen Rechtsprechung bei der Ist-Besteuerung nach den Grundsätzen der Soll-Besteuerung vorgenommen werden. Der entstandene Vorsteuerabzug kann aber erst dann geltend gemacht werden, wenn die Leistung bewirkt wurde und der Unternehmer eine Rechnung besitzt. Auf den Zeitpunkt der Zahlung der Eingangsrechnung kommt es nicht an – weder bei der Soll- noch bei der Ist-Besteuerung.

Beispiel: Die Telefongesellschaft erstellt und versendet die Telefonrechnung für den Monat Februar am 20. März. Rechnungseingang beim Unternehmer am 23. März. Die Abbuchung des Rechnungsbetrags vom Konto des Unternehmers erfolgt am 2. April. Die Vorsteuer aus der Telefonrechnung kann demnach bereits in der Umsatzsteuervoranmeldung des Monats März geltend gemacht werden, denn der Leistungsmonat Februar ist abgeschlossen und die Rechnung ist beim Unternehmer am 23. März eingegangen.

Im Onlinehandel z.B. bei Amazon, Ebay und in vielen Onlineshops erfolgt der Zahlungseingang nach Abschluss des Bestellvorgangs über Amazon, Paypal, Sofortüberweisung, Vorkasse oder andere Zahlungsdienstleister. Buchhalterisch ist dieser Zahlungseingang als erhaltene Anzahlung auf eine – später zu versendende- Bestellung zu erfassen. Umsatzsteuerrechtlich besteht bei erhaltenen Anzahlungen wie oben erläutert kein Unterschied zwischen der Soll- und der Ist-Besteuerung.

In den Shopsystemen erfolgt der Zahlungseingang anhand der systeminternen OrderID. Erst in einem nächsten Schritt wir dieser Transaktionsnummer bei der nachfolgenden Rechnungserstellung eine Rechnungsnummer zugewiesen.

In der Buchhaltung ist es erst zum Zeitpunkt der Leistungserbringung, d.h. beim Versand an den Kunden,  möglich,  der im zweiten Schritt erstellten Rechnung die bereits im ersten Schritt erhaltene Zahlung zuzuordnen. Deshalb wählt der Steuerberater  beim Onlinehändler die Soll-Versteuerung.

Zusammenfassung: Für den „klassischen“ Onlinehändler, der seine Ware hauptsächlich per Vorkasse vertreibt, besteht aus Liquiditätsgesichtspunkten kein Unterschied zwischen der Soll- und der Ist-Besteuerung. Die Wahl, ob Soll- oder Ist-Besteuerung sollte und kann demzufolge nach buchhalterischen Gesichtspunkten erfolgen.

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Wir stehen Ihnen gerne für weitere Fragen zur Verfügung. Alle Informationen und Angaben haben wir nach bestem Wissen zusammengestellt. Sie erfolgen jedoch ohne Gewähr. Diese Information kann eine individuelle Beratung im Einzelfall nicht ersetzen.

Über Sibille Decker

Steuerberaterin
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