Entstehen einer Orchestermusikerin Aufwendungen für sog. Dispokinese handelt es sich hierbei um Krankheitskosten

Entstehen einer Orchestermusikerin, die unter akuten Einschränkungen im Hals-Nacken-Schulterbereich leidet, Aufwendungen für sog. Dispokinese, handelt es sich hierbei um Krankheitskosten und damit um eine steuerlich nur beschränkt abziehbare außergewöhnliche Belastung nach § 33 Einkommensteuergesetz (EStG) und nicht um unbeschränkt berücksichtigungsfähige Werbungskosten nach § 9 EStG.

Das hat das Hessische Finanzgericht entschieden (Az. 12 K 2569/10).

Geklagt hatte eine Orchestermusikerin, die Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit bezog. In ihrer Einkommensteuererklärung machte sie Aufwendungen von ca. 1.000 Euro für sog. Dispokinese geltend. Die Aufwendungen seien entstanden, weil sie aufgrund akuter Einschränkungen in der Schulter ihrer Erwerbstätigkeit als Musikerin nicht habe nachgehen können. Zur Behandlung dieser Erkrankung sei Krankengymnastik verordnet worden. Zudem habe sie Aufwendungen für eine Dispokinese-Fortbildung getätigt. Bei Dispokinese handele es sich um eine von Musikern für Musiker entwickelte ganzheitlich  orientierte Schulungsform. Diese pädagogische Maßnahme habe zum Ziel, die  Spielfähigkeit durch Veränderung der Haltung und der Eigenwahrnehmung zu verbessern. Der Musiker erlerne zahlreiche Übungen, die es ihm ermöglichten,  auch in einer  Auftrittsituation bessere Leistungen zu erbringen. Damit diene die  Dispokinese der Erhaltung und Sicherung der Einnahmen als Berufsmusikerin, was  den unbeschränkten Werbungskostenabzug zur Folge haben müsse.

Das Hessische Finanzgericht sah hingegen in den Aufwendungen für die Dispokinese
lediglich beschränkt abziehbare Krankheitskosten. Denn die Klägerin habe die
Dispokinesesitzungen – nachdem die Besuche bei der Krankengymnastin nicht den
erhofften Erfolg gebracht hätten – absolviert, um ihre Gesundheit wieder  herzustellen bzw. zu erhalten. Zwar bestehe kein Zweifel daran, dass die  Klägerin aufgrund der Dispokinese über eine verbesserte Körperhaltung verfügt  habe und ihr Instrument schmerzfrei habe führen können. Diese Auswirkungen und  die damit einhergehende Verbesserung des Spiels als Musikerin mache die  Aufwendungen aber nicht zu Werbungskosten. Denn die Aufwendungen seien  aufgebracht worden, um die gesundheitlichen Probleme zu bewältigen. Dabei  handele es sich jedoch nur um steuerlich beschränkt abzugsfähige Krankheitskosten.

Das letzte Wort hat nun der Bundesfinanzhof (BFH), der die Revision zugelassen hat (Az. VI R 37/12).

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Foto:© Jan Rose – Fotolia.com Quelle: FG Hessen, Pressemitteilung vom 18.10.2012

Über Sibille Decker

Steuerberaterin
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