Doppelte Haushaltsführung

Immer häufiger pendeln Arbeitnehmer zwischen Wohnsitz  und Arbeitsplatz, denn Arbeitgeber fordern zunehmend  mehr Mobilität von ihren Mitarbeitern. Arbeitnehmer hingegen  wollen sich selbst lange tägliche Fahrtzeiten bzw. hohe  Spritkosten ersparen oder aber beispielsweise ihrer Familie  keinen Umzug zumuten, der für ihre Kinder mit einem  Schulwechsel verbunden ist.

Der Fiskus unterstützt Arbeitnehmer, aber auch Gewerbetreibende  und Selbstständige, wenn sich ihr Lebensmittelpunkt  und ihr Arbeitsplatz bzw. Betrieb in unterschiedlichen
Gemeinden befinden: Gründen diese aus beruflichen oder  betrieblichen Gründen neben dem Haupthaushalt einen  weiteren, zweiten Haushalt, liegt eine

„doppelte  Haushaltsführung“

vor. Die Aufwendungen für die doppelte Haushaltsführung  sind beim Arbeitnehmer dann unter bestimmten  Voraussetzungen Werbungskosten bei den Einkünften  aus nichtselbständiger Arbeit. Bei Gewerbetreibenden bzw.  Selbständigen liegen u. U. Betriebsausgaben bei den Einkünften  aus Gewerbebetrieb bzw. selbstständiger Arbeit vor.

Folge: Wird die doppelte Haushaltsführung vom Finanzamt  anerkannt, vermindert sich im Rahmen der steuerlichen  Veranlagung (Abgabe der Einkommensteuererklärung)
die eigene Steuerlast.

Hinweis: Die Kosten für eine doppelte Haushaltsführung  können bei Arbeitnehmern auch vorab als Freibetrag bei  der Lohnsteuerberechnung seitens des Arbeitgebers berücksichtigt  werden. Hierfür muss der Arbeitnehmer beim Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung stellen.  Der Freibetrag wird als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal  (ELStAM) gespeichert und dem Arbeitgeber  in einem elektronischen Abrufverfahren bereit gestellt. Der  Arbeitnehmer muss dann aber auf jeden Fall eine Einkommensteuererklärung  abgeben.

Im Folgenden wird die doppelte Haushaltsführung aus  Sicht des Arbeitnehmers erörtert. Das Gesagte gilt aber für  Gewerbetreibende und Selbständige entsprechend.

Wann liegt eine  doppelte Haushaltsführung vor?

1. Zwingende Voraussetzungen
Aus steuerlicher Sicht müssen für eine doppelte Haushaltsführung  folgende Voraussetzungen zwingend vorliegen:

  •  Eigener Hausstand am Wohnort: Am eigentlichen Wohnort  muss eine Hauptwohnung mit eigenem Hausstand unterhalten  werden. Unerheblich ist, wo der Steuerzahler mit  Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet ist. Ein eigener  Hausstand setzt eine eingerichtete, den Lebensbedürfnissen  entsprechende Wohnung des Steuerpflichtigen voraus,  die ihm gehört oder die er angemietet bzw. berechtigterweise (mit-)nutzen kann. In dieser Wohnung muss er die Haushaltsführung bestimmen oder wesentlich beeinflussen.  Sie muss außerdem der auf Dauer angelegte Mittelpunkt  seiner Lebensinteressen sein.
  •  Auswärtiger Beschäftigungsort: Eine doppelte Haushaltsführung  liegt vor, wenn der Arbeitnehmer zwei Hausstände  unterhält: einen an seinem Hauptwohnsitz und
    einen am Beschäftigungsort, d. h. in der Gemeinde, in der  der Arbeitsplatz des Arbeitnehmers liegt, den er regelmäßig  aufsucht; die Anzahl der Übernachtungen spielt dabei keine  Rolle. Auf die Entfernung zwischen der Hauptwohnung und
    der Wohnung am Beschäftigungsort kommt es grundsätzlich  nicht an. Nur bei sehr kurzen Fahrtstrecken wird das  Finanzamt die Zweitwohnung nicht anerkennen.

Abzugrenzen  ist die doppelte Haushaltsführung dabei von der sog.  Auswärtstätigkeit. Eine Auswärtstätigkeit hat gesetzlichen  Vorrang vor der doppelten Haushaltsführung und liegt vor,   wenn der Arbeitnehmer außerhalb seiner Wohnung und  seiner regelmäßigen Arbeitsstätte tätig wird.

  •  Zweitwohnung und berufliche Veranlassung: Am Arbeitsort  muss ein weiterer Hausstand regelmäßig aus beruflichen  Gründen genutzt werden. Dies ist der Fall bei
    einem neuen Arbeitsverhältnis, einer Versetzung oder  einem Arbeitsplatzwechsel an den Beschäftigungsort. Unerheblich  ist es, wenn der Arbeitnehmer bereits vor der Begründung der doppelten Haushaltsführung in der Wohnung  am Beschäftigungsort gewohnt hat. Beziehen beide  berufstätigen Eheleute am gemeinsamen Beschäftigungsort  eine gemeinsame Zweitwohnung, ist dies ebenfalls  beruflich veranlasst. Eine aus beruflichem Anlass begründete  doppelte Haushaltsführung liegt ferner auch dann vor,  wenn ein Steuerpflichtiger seinen Haupthausstand aus  privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegt und  dann in einer Wohnung am Beschäftigungsort einen zweiten  Haushalt begründet, um von dort aus seiner bisherigen  beruflichen Tätigkeit weiter nachgehen zu können.

 Hinweise: Der Bundesfinanzhof wird klären, ob der Abzug  von notwendigen Mehraufwendungen für eine doppelte  Haushaltsführung voraussetzt, dass der weitere Hausstand  ausschließlich aus beruflichem Anlass begründet worden  ist. Im Streitfall hatte ein Arbeitnehmer in der Nähe des  Beschäftigungsorts einen weiteren Hausstand erst durch  die Anmietung und dann später durch den Kauf einer Immobilie  gegründet, um eine „Arbeitskollegin“ finanziell zu  unterstützen.

Eine doppelte Haushaltsführung endet regelmäßig dann, wenn

  • entweder der Haushalt in der Wohnung am Beschäftigungsort  nicht mehr geführt wird
  • oder diese Wohnung der neue Lebensmittelpunkt ist.

Doch auch wenn eine doppelte Haushaltsführung einmal  beendet wurde, kann sie am früheren Beschäftigungsort in  der dazu schon früher genutzten Wohnung erneut begründet  werden.

Hinweis: Eine doppelte Haushaltsführung ist auch bei einer  großen Entfernung (141 km) zwischen Arbeitsstätte und  Zweitwohnung möglich. Nach einer Entscheidung des Finanzgerichts  Düsseldorf aus Oktober 2011 muss die Wohnung  sich (nur) so weit im Einzugsbereich der Arbeitsstätte  befinden, dass sie täglich aufgesucht werden kann. Im
Zeitalter steigender Mobilitätsanforderungen sei davon  auszugehen, dass es nicht auf die bloße Entfernung zwischen  Zweitwohnung und Arbeitsstätte  ankommen kann.  Es sei durchaus üblich, dass Arbeitnehmer größere Entfernungen  zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Kauf nehmen,  wenn die Arbeitsstätte verkehrsgünstig zu erreichen  ist. Der Bundesfinanzhof muss nun über die Revision des  Finanzamts entscheiden.

 2. Unverheiratete Arbeitnehmer
Ledige Arbeitnehmer haben ihren Lebensmittelpunkt dort, wo sie die engeren persönlichen Beziehungen haben, beispielsweise  bei den Eltern. Auch der Freundes- und Bekanntenkreis, Mitgliedschaften in Vereinen, politische,  künstlerische oder andere Aktivitäten bestimmen den Lebensmittelpunkt.
Wichtig ist in diesem Fall, dass sich diese  Arbeitnehmer in der Hauptwohnung auch im Wesentlichen  aufhalten, d. h. grundsätzlich nur unterbrochen durch die  arbeits- und urlaubsbedingte Abwesenheiten. Denn allein  das Vorhalten einer Wohnung für gelegentliche Besuche  oder für Ferienaufenthalte ist kein Unterhalten eines eigenen
Hausstands. Bei einer mehr als fünfjährigen Auswärtstätigkeit  muss der ledige Arbeitnehmer im Übrigen detailliert  darlegen und nachweisen, weshalb der Lebensmittelpunkt  noch am Heimatort liegt.

Hinweis: Die Frage, ob ein unverheirateter Arbeitnehmer  einen eigenen Hausstand unterhält, ist eine Einzelfallentscheidung.
Dabei werden alle tatsächlichen Verhältnisse  einbezogen und gewichtet. Der Umstand, dass der Arbeitnehmer  für die Kosten des Haushalts aufkommt, ist zwar  ein besonders gewichtiges Indiz für eine doppelte Haushaltsführung,  aber keine zwingende Voraussetzung.  Das Finanzamt wird anhand der Häufigkeit der Heimfahrten
beurteilen, ob sich der Lebensmittelpunkt (noch) am angegebenen  Wohnort befindet. Sinnvollerweise sollten Benzinquittungen,  Belege über Kfz-Reparaturkosten und TÜV
aufgehoben werden, um die jährlich zurückgelegten Kilometer  „nach Hause“ nachweisen zu können.
Bei Arbeitnehmern, die – wenn auch gegen Kostenbeteiligung  – in den Haushalt der Eltern eingegliedert sind oder in  der Wohnung der Eltern lediglich ein Zimmer  bewohnen,  scheidet eine doppelte Haushaltsführung aus. Verfügt der  Arbeitnehmer an seinem Beschäftigungsort über eine  Wohnung, die an Größe und Ausstattung die Zimmer im  elterlichen Einfamilienhaus übertrifft, spricht vieles dafür,  dass das Zimmer bei den Eltern lediglich für Besuchszwecke  vorgehalten wird.

 3. Verheiratete Arbeitnehmer
Auch bei verheirateten Arbeitnehmern scheidet eine doppelte  Haushaltsführung aus, sobald der Beschäftigungsort  zum Lebensmittelpunkt wird. Ob der Hausstand gegenüber
der Zweitwohnung am Beschäftigungsort den Lebensmittelpunkt  darstellt bzw. der Ort ist, an dem die Eheleute in  häuslicher Gemeinschaft zusammenleben, ist eine Entscheidung  im Einzelfall. Alle konkreten Umstände werden  dabei abgewogen und bewertet. Indizien können sich aus  einem Vergleich von Größe und Ausstattung der beiden  Wohnungen sowie aus Dauer und Häufigkeit der Aufenthalte  in den jeweiligen Wohnungen ergeben.
Bei einem verheirateten Arbeitnehmer liegt der Mittelpunkt  der Lebensinteressen grundsätzlich an dem Ort, an dem  auch sein Ehepartner und – wenn auch nicht notwendigerweise  – seine minderjährigen Kinder wohnen. Daher verlagert  sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen i. d. R. an  den Beschäftigungsort, wenn der Arbeitnehmer dort mit  seinem Ehepartner in eine familiengerechte Wohnung
einzieht. Dies gilt auch dann, wenn die frühere Familienwohnung  beibehalten und zeitweise noch genutzt wird.

Voraussetzung für den Abzug von Kosten für eine doppelte  Haushaltsführung ist, dass die Zweitwohnung am Arbeitsort  nahezu ausschließlich aus beruflichen Gründen genutzt  wird. Wohnen beide Ehegatten während der Woche zusammen  in einer Wohnung in der Nähe beider Arbeitsstätten,  und nur am Wochenende bzw. im Urlaub in einer anderen
Stadt, befindet sich der Lebensmittelpunkt in der  Wohnung am Beschäftigungsort.

In einem anderen Streitfall  bezog ein Ehepartner rund zwei Jahre nach Arbeitsaufnahme
am Arbeitsort eine für die Wohnbedürfnisse angemessene  Wohnung mit unbefristetem Mietvertrag. Vor dem  Hintergrund der späteren Scheidung mussten sich die  Eheleute zu diesem Zeitpunkt bereits in einer Krise befunden  haben, denn die Phase des nach dem Eherecht erforderlichen  Getrenntlebens hatte bereits begonnen. Daher  lag auch hier nach Ansicht der Richter keine steuerlich  anzuerkennende doppelte Haushaltsführung vor.

 4. Nichteheliche Lebensgemeinschaft
Bei einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft kann ein  gemeinsamer Hausstand auch dann vorliegen, wenn die  Wohnung (am Erstwohnsitz) allein vom Lebenspartner des
Arbeitnehmers angemietet wurde. Am eindeutigsten ist der  Fall, wenn sich der Arbeitnehmer dauerhaft dort aufhält und  finanziell anteilig (hälftig) zur Haushaltsführung beiträgt.
Eine doppelte Haushaltsführung wird aber u. U. auch anerkannt,  wenn der am Beschäftigungsort wohnende Lebenspartner  nur seinen Lebensmittelpunkt in der vom anderen  Lebenspartner angemieteten Wohnung hat, ohne sich an  den Kosten zu beteiligen. Denn eine finanzielle Beteiligung  an dessen Mietkosten ist nicht zwingende Voraussetzung  für die Anerkennung der doppelten Haushaltsführung.

Das  Finanzgericht Münster bejahte daher in einem weiteren Fall  eine doppelte Haushaltsführung:

Streitfall: Zwischen einer Freundin und ihrem Freund bestand  eine nichteheliche Lebensgemeinschaft. Die Freundin arbeitete  und wohnte in R-Stadt, ihr Freund in der 91 km entfernten AStadt.  Ende 2004 zog die Freundin in eine kleinere Wohnung in
R-Stadt um und hielt sich ab diesem Zeitpunkt an den Wochenenden  und im Urlaub in der Wohnung ihres Freundes in A-Stadt  auf. Im Dezember 2006 heirateten beide.
Hier bestand nach Ansicht der Richter eine doppelte Haushaltsführung  während des gesamten Jahres 2006, weil die Freundin  ihren Lebensmittelpunkt in der Wohnung ihres Freundes in AStadt  hatte und am Beschäftigungsort in R-Stadt eine Zweitwohnung
unterhielt. Ihre größere Wohnung in R-Stadt hatte sie  bereits Ende 2004 aufgegeben und war in eine kleinere Zweitwohnung  umgezogen. Schließlich heirateten beide Ende 2006;
auch dies sprach dafür, dass bereits zuvor ein gemeinsamer  Lebensmittelpunkt bestand. Nun ist abzuwarten, ob der Bundesfinanzhof  die vom Finanzgericht Münster zugunsten der  Steuerzahlerin vertretene Auffassung bestätigt.  Auch eine erst später vollzogene Ummeldung beim Einwohnermeldeamt  sagt steuerlich nichts darüber aus, ob  schon vorher der Lebensmittelpunkt von einer Stadt in die  andere verlagert worden ist.

Einfacher ist es jedoch, wenn  sich betroffene Steuerzahler in vergleichbaren Fällen
nachweisbar an den Kosten der Wohnung des Lebenspartners  beteiligen.

Welche Kosten können  abgesetzt werden?
Liegen die Voraussetzungen einer doppelten Haushaltsführung  vor, können viele Kosten als notwendige Mehraufwendungen  steuerlich geltend gemacht werden. Wir verschaffen
Ihnen nachfolgend einen Überblick:

  •  Verpflegungsmehraufwendungen
    Im Rahmen einer aus beruflichem Anlass begründeten  doppelten Haushaltsführung entstehen Arbeitnehmern  Verpflegungsmehraufwendungen, die bei einer Beköstigung
    in nur einem Haushalt nicht angefallen wären. Verpflegungsmehraufwendungen  werden für einen Zeitraum   von drei Monaten nach Bezug der zweiten Wohnung am
    Arbeitsort für jeden Kalendertag, an dem der Arbeitnehmer  von der Wohnung am gemeinsamen Hauptwohnsitz abwesend  ist, anerkannt. Es werden allerdings ausschließlich  Pauschbeträge – wie sie für Dienstreisen gelten – berücksichtigt.
    Maßgeblich für die Höhe der Pauschbeträge von  24 €, 12 € bzw. 6 € ist die Dauer der Abwesenheit vom  Wohnort.  An Tagen der Heimfahrt gilt nur der zeitanteilige Pauschbetrag  und an Tagen, an denen der Arbeitnehmer sich wegen  Urlaub bzw. Krankheit oder an den Wochenenden in seiner  Hauptwohnung aufhält, gibt es keinen Verpflegungspauschbetrag.

 Hinweise: Die Dreimonatsfrist für Verpflegungsmehraufwand  bei doppelter Haushaltsführung ist nach Ansicht des  Bundesfinanzhofs verfassungsgemäß. Wichtig ist, dass bei  jeder neuen doppelten Haushaltsführung auch die Dreimonatsfrist  neu beginnt. Wechselt der Arbeitnehmer jedoch  am auswärtigen Beschäftigungsort den Arbeitsplatz, fängt  keine neue Dreimonatsfrist an. Auch wenn der Steuerpflichtige  bereits seit mindestens drei Monaten am Beschäftigungsort  wohnt, bevor er den zweiten Hausstand gründet,  ist ein Abzug von Verpflegungsmehraufwendungen für die  ersten drei Monate seit Begründung der doppelten Haushaltsführung  ausgeschlossen.

  • Aufwendungen für die Zweitwohnung
    Als Zweitwohnung gilt jede Unterkunft, die dem Steuerzahler  entgeltlich oder unentgeltlich zur Verfügung gestellt  wird. Der Steuerpflichtige kann wählen zwischen
    1. einer Mietwohnung,
    2. einem möbliertem Zimmer,
    3. einem Hotelzimmer,
    4. einer Pension,
    5. einer Gemeinschaftsunterkunft (z. B. Baracke auf der  Baustelle) oder
    6. einer Eigentumswohnung.

Hinweis: Es ist nicht erforderlich, dass der Steuerpflichtige  in der Unterkunft überwiegend übernachtet bzw. sich dort  aufhält. Auch wann er die Unterkunft bezieht, ist unerheblich;  er kann diese zudem beliebig wechseln. Die Kosten  muss er nachweisen.
Bei einer Mietwohnung sind nur die Kosten für eine angemessene  Unterkunft absetzbar. Als angemessen gilt in  diesem Zusammenhang eine Wohnung von maximal  60 m², deren Kaltmiete entsprechend der Lage und Ausstattung  ortsüblich ist.

Zu den abziehbaren Aufwendungen  gehören

  • die Kaltmiete,
  • Betriebskosten nach der Betriebskostenverordnung  (Strom, Heizung, Reinigung, Müllbeseitigung etc.),
  • Arbeitslohn einer Haushaltshilfe,
  • Beauftragung einer Reinigungsfirma,
  • Renovierungsaufwendungen inkl. Schönheitsreparaturen  und
  • ggf. anfallende Zweitwohnungssteuer.

Hinweis: Die Flächenbegrenzung von 60 m² kann nicht mit  der Begründung überschritten werden, dass ein Mangel an  kleineren Wohnungen herrscht, die Wohnungswahl eilbedürftig  ist oder zur Wohnung ein Zimmer gehört, das teilweise
auch büromäßig genutzt wird.  Erfüllt ein Raum die Voraussetzungen eines steuerrechtlich
anzuerkennenden Arbeitszimmers, sind die dadurch entstehenden  Aufwendungen steuerlich gesondert zu beurteilen  und nach den für ein häusliches Arbeitszimmer geltenden  gesetzlichen Regelungen zusätzlich abziehbar. Soweit  die Größe der Wohnung und/oder die Miete unangemessen  sind, kann der Arbeitnehmer nur den angemessenen Teil der Kosten geltend machen. Keinesfalls darf das Finanzamt  jedoch in diesem Zusammenhang die Kosten ganz  „streichen“.

Hinweis: Der Bundesfinanzhof hat Mitte 2011 entschieden,  dass Aufwendungen für eine zweite Wohnung, die wegen  eines beruflich veranlassten Umzugs entstehen, der Höhe  nach unbegrenzt abziehbare Werbungskosten (im Rahmen  der Umzugskosten) sein können. Dies gilt, wenn der Arbeitnehmer  am Beschäftigungsort im Hinblick auf den geplanten  Familiennachzug gleich eine entsprechend große  Wohnung anmietet. Sogar doppelte Mietaufwendungen  können durch den Umzug bedingt sein, sind allerdings zeitlich auf die Umzugsphase beschränkt. Die Umzugsphase  beginnt mit der Kündigung der bisherigen Familienwohnung  und endet mit dem Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist.
Mietaufwendungen können so für die bisherige  Wohnung ab dem Umzugstag (der Familie) und für die  neue Familienwohnung bis zum Umzugstag (der Familie)  als Werbungskosten abgezogen werden.

Ist ein Pkw zur Ausübung der beruflichen Tätigkeit nicht  nötig, sind die Kosten für die Miete eines Pkw-Stellplatzes  nach Ansicht des Finanzgerichts Hessen nicht im Rahmen
der doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten abzugsfähig.  Der Bundesfinanzhof muss nun die endgültige  Entscheidung in dieser Rechtsfrage treffen.

Kauft sich der Arbeitnehmer am Arbeitsort eine Eigentumswohnung,  kann er die Kosten in der gleichen Höhe  geltend machen, in der sie für eine angemessene Mietwohnung entstehen würden. Zu den abzugsfähigen Kosten  gehören z. B. Zinsen für die Finanzierung, die Absetzungen  für Abnutzungen.

Hinweis: Steuerlich zulässig (kein Gestaltungsmissbrauch)  ist es, wenn ein Ehepartner die Wohnung am Beschäftigungsort  kauft und im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung  zu fremdüblichen Bedingungen an den vor Ort  arbeitenden Ehepartner vermietet. Dieser kann die gezahlte  Miete inkl. Nebenkosten als Werbungskosten ansetzen;  der vermietende Ehepartner erzielt Verluste aus Vermietung
und Verpachtung (Schuldzinsen, Abschreibung etc.),  die dann mit den positiven Einkünften aus der Tätigkeit des  Arbeitnehmers verrechnet werden dürfen. Dies führt zu
einer weiteren Steuerersparnis.

Als „sonstige Kosten” einer doppelten Haushaltsführung  gelten die Kosten für die in der Zweitwohnung benötigten –  und nicht auf andere Weise (z. B. durch Mitnahme aus dem
vorhandenen Hausrat) zu beschaffenden – Einrichtungsgegenstände.
Beispiele: Dazu gehören: Bett, Schrank, Tisch, Stühle, Sofa,  Vorhänge, Lampen, Herd, Spüle, Kühlschrank und Waschmaschine  sowie Hausrat wie Geschirr, Töpfe,  Kaffeemaschine und  Staubsauger.

Hinweis: Liegen die Anschaffungskosten für die einzelnen  Einrichtungsgegenstände über 410 €, müssen diese über  den voraussichtlichen Nutzungszeitraum verteilt werden.
Bei Möbeln geht das Finanzamt von einer 13-jährigen Nutzungszeit  aus. Die Waschmaschine hat eine Nutzungsdauer  von zehn Jahren.  Unangemessen hohe Kosten wird das Finanzamt nicht  anerkennen. Vorsicht ist z. B. geboten bei Kauf einer teuren Einbauküche.

  • Fahrtkosten und Familienheimfahrten
    Fahrtkosten im Zusammenhang mit dem Wohnungswechsel  zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung  können in tatsächlicher und nachgewiesener Höhe  (z. B. Bahnticket) berücksichtigt werden. Alternativ können  sie in Höhe der Pauschbeträge für Auswärtstätigkeiten  geltend gemacht werden; das sind 0,30 € pro gefahrenen  Kilometer bei Fahrten mit dem Pkw.
    Zu den notwendige Mehraufwendungen, die einem Arbeitnehmer  wegen einer aus  beruflichem Anlass begründeten  doppelten Haushaltsführung entstehen, gehören auch die  Wegekosten vom Beschäftigungsort zum Ort des eigenen  Hausstands und zurück – und zwar für eine Familienheimfahrt  pro Woche. Hier dürfen bei Nutzung eines Pkw 0,30 €  je Entfernungskilometer wie bei der Entfernungspauschale  für Fahrten zwischen Hauptwohnung und Arbeitsstätte  angesetzt werden. Abziehbar sind aber nur die Fahrten, die  der Arbeitnehmer auch tatsächlich durchgeführt hat.

Hinweis: Aufwendungen des am Familienwohnsitz lebenden  Ehepartners für Besuchsreisen zur Wohnung des anderenorts  berufstätigen Ehegatten – sog. umgekehrte Familienheimfahrten  – sind laut Bundesfinanzhof nicht als  Werbungskosten abziehbar, wenn die Besuchsreisen privat  veranlasst waren. Der Bundesfinanzhof hat aber offen
gelassen, ob diese Fahrtkosten beruflich veranlasste Aufwendungen  des am Beschäftigungsort arbeitenden Ehepartners  sein können, wenn dieser aus beruflichen Gründen  die wöchentliche Familienheimfahrt nicht antreten  kann (Rufbereitschaft).
Die Heimfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind entweder  mit der  Entfernungspauschale berücksichtigungsfähig  oder aber mit den tatsächlichen Kosten, falls diese höher ausfallen.

Hinweise: Fährt der Arbeitnehmer mit dem Dienstwagen  nach Hause, kann er steuerlich keine Aufwendungen geltend  machen. Im Gegenzug müssen die wöchentlichen
Heimfahrten in diesem Fall nicht als Arbeitslohn versteuert  werden. Vor dem  Bundesfinanzhof ist allerdings ein Verfahren  zur der Rechtsfrage anhängig, ob wöchentliche Familienheimfahrten mit einem vom Arbeitgeber überlassenen Firmenwagen als Werbungskosten abgezogen werden  dürfen.
Bewohnt ein geschiedener Arbeitnehmer neben seiner  Wohnung am Beschäftigungsort ein Geschoss im Elternhaus,  unterhält er keinen eigenen Hausstand am Wohnort  der Eltern, wenn er tatsächlich keine Kosten trägt. Nach  Auffassung des Finanzgerichts München kann sich hier  dennoch sein Lebensmittelpunkt befinden, so dass die  Aufwendungen für die Familienheimfahrten abzugsfähig  sind. Es bleibt abzuwarten, wie dies die Richter beim Bundesfinanzhof  beurteilen werden.

  • Umzugskosten
    Zu den notwendigen Mehraufwendungen der doppelten  Haushaltsführung gehören bei der Begründung und der  Beendigung oder einem Wechsel auch die nachweisbaren Umzugskosten.

Beispiele: Zu den Umzugskosten zählen:

  • Kosten der Wohnungssuche wie Maklerprovision, Fahrtkosten  zwecks Besichtigungen der Wohnungen mit 0,30 € je gefahrenen  Kilometer, Annoncen „Wohnungsgesuch“;
  • Transportkosten (Umzugsspedition, Miete für Lkw inkl. Spritkosten,  bei Nutzung des eigenen Pkw 0,30 € für jeden gefahrenen  Kilometer im Zusammenhang mit dem Umzug);
  • Trinkgelder an Umzugspersonal;
  • Anschlusskosten für Herd, Öfen.

Die Pauschalierungsmöglichkeit von Umzugskosten nach  dem Bundesumzugskostengesetz gilt in Fällen der doppelten  Haushaltsführung nicht.

War der Umzug wegen der Kündigung der bisherigen  Zweitwohnung durch den Vermieter erforderlich, können  die Kosten für die Einrichtung einer neuen Wohnung am Beschäftigungsort im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung  geltend gemacht werden. Dies gilt auch dann,  wenn der Steuerpflichtige gegen die Kündigung des Mietverhältnisses möglicherweise erfolgreich zivilrechtlich hätte  vorgehen können.

Kostenerstattung durch den  Arbeitgeber
Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer die Aufwendungen  im Rahmen der doppelten Haushaltsführung bis zur  Höhe des zulässigen Werbungskostenabzugs steuerfrei erstatten.

Hinweis: Wenn der Arbeitnehmer die Steuerklasse I, II  oder VI hat, muss sich der Arbeitgeber vom Arbeitnehmer  schriftlich bestätigen lassen, dass er am Wohnort einen
eigenen Hausstand hat. Dieses Schriftstück hat der Arbeitgeber  bei den Lohnunterlagen aufzubewahren.

Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer eine Unterkunft  unentgeltlich und lohnsteuerfrei zur Nutzung überlassen,  wenn der Arbeitnehmer die übrigen Kosten im Rahmen der  doppelten Haushaltsführung ansetzt bzw. ersetzt bekommt.  Alternativ kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die  nachgewiesenen Übernachtungskosten (z. B. Pension) steuerfrei erstatten. Soweit der Arbeitnehmer keinen  Nachweis über die Unterbringungskosten vorlegt, können  für die ersten drei Monate 20 € pro Übernachtung als  Pauschbetrag steuerfrei gezahlt werden. In der Folgzeit  reduziert sich der Pauschbetrag auf 5 € pro Übernachtung.  Will der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer Umzugskosten erstatten, muss er sich die Belege, Quittungen, wie beispielsweise die Rechnung des Maklers, vorlegen lassen und aufbewahren.

Hinweise: Soweit der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer Aufwendungen  erstattet, die den zulässigen Werbungskostenabzug  übersteigen, liegt steuerpflichtiger Arbeitslohn  vor. Ist die Erstattung seitens des Arbeitgebers niedriger  als die abziehbaren Kosten, kann der Arbeitnehmer die  Differenz als Werbungskosten geltend machen.

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Fotos:© Jeanette Dietl – Fotolia.com Der Inhalt ist nach bestem Wissen und dem aktuellen Kenntnisstand erstellt worden. Haftung und Gewähr sind ausgeschlossen. Diese bleiben der Einzelberatung vorbehalten.

Über Sibille Decker

Steuerberaterin
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