Kein häusliches Arbeitszimmer eines Pfarrers bei Wohnung und Pfarrbüro im gleichen Pfarrhaus

Befinden sich im Pfarrbüro eines Pfarrhauses mehrere Räumlichkeiten, in denen sich der Pfarrer einen Arbeitsplatz zur Erledigung der von ihm durchzuführenden Verwaltungsarbeiten  bzw. seelsorgerischen Arbeiten einrichten könnte, so ist davon auszugehen, dass ihm ein „anderer Arbeitsplatz“ zur Verfügung steht und dass somit ein Werbungskostenabzug für das in seiner Wohnung im Pfarrhaus befindliche Arbeitszimmer ausgeschlossen ist.

Grundsätzlich dürfen bei einem Arbeitnehmer die Kosten für ein „häusliches Arbeitszimmer“ sowie für dessen Ausstattung die Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer nicht mindern. Nur ausnahmsweise sind Aufwendungen eines Arbeitnehmers für sein häusliches Arbeitszimmer bis zu einem Höchstbetrag von 1.250 € als Werbungskosten zu berücksichtigen, wenn für die berufliche Tätigkeit kein  anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Ein „anderer Arbeitsplatz“ im Sinne der Abzugsbeschränkung ist daher grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist; weitere Anforderungen an seine Beschaffenheit sind nicht zu stellen. Der andere Arbeitsplatz steht nur dann für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit nicht zur Verfügung, wenn ihn der Steuerpflichtige in dem konkret erfoderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Art und Weise tatsächlich nicht nutzen kann. Diese Beurteilung ist anhand der objektiven Umstände des konkreten Einzelfalls vorzunehmen.

So ist ein objektiv geeigneter Arbeitsplatz vorhanden, wenn es möglich erscheint, dass der Steuerpflichtige an seiner Arbeitsstelle die geforderten Aufgaben erfüllen kann, auch wenn dies an einem anderen Platz leichter, besser und angenehmer durchführbar sein sollte.

Auf die Entscheidung des  Steuerpflichtigen, bestimmte Arbeiten vorzugsweise am häuslichen Arbeitsplatz erledigen zu wollen, kommt es nicht an. Insbesondere Umstände, die in der Person des Arbeitsnehmers begründet sind, wie z.B. persönliche Arbeitsweise, Ansichten und Vorlieben, Gesundheitszustand, familiäre Situation, sind unerheblich.

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FG München, Urteil vom 24.11.2011  – 11 K 1167/11 Foto: © Birute Vijeikiene – Fotolia.com – Der Inhalt ist nach bestem Wissen und dem aktuellen Kenntnisstand erstellt worden. Haftung und Gewähr sind ausgeschlossen. Diese beleiben der Einzelberatung vorbehalten.

Über Sibille Decker

Steuerberaterin
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