Taxarazzo: An der Steuer, am Leben und am Anstand vorbei

An der Steuer, am Leben und am Anstand vorbei

Es ist schon bizarr, welche Geschichten von der Steuerfahndung aufgedeckt werden. Und an dieser Stelle stellt sich wieder einmal die Frage, wie stark und übermächtig die Sucht nach Geld in unserem Wertesystem verankert ist und sich auf das Leben auswirkt.

Dem hier beschriebenen Fahndungserfolg der Steuerbehörden ist eine traurige Situation eines Ehepaares vorausgegangen. Der Ehemann war an Krebs erkrankt. In dieser Situation erschien den beiden die Aussicht auf eine hoffentlich lebensrettende Operation als Silberstreif am Horizont. Es wäre ja denkbar, dass diese Operation das Leben des Ehemanns retten könnte.

Leider war der Terminkalender des Chirurgen, der als Einziger für diese Operation infrage kamm, sehr voll. Es war fraglich, ob der Kranke den bereits verabredeten Operationstermin noch erleben würde. Die einzige Chance bestand darin, einen früheren Operationstermin zu finden.

Ein Gespräch mit dem Chirurgen brachte eine Lösung: Er erklärte sich bereit, die Operation vorzuziehen. Allerdings verlangte er dafür 10.000 Euro in cash, ohne Quittung, die Hälfte vor der Operation, die zweite Hälfte danach, und zwar auch dann, wenn der Patient die Operation nicht überstehen sollte.

Immerhin war klar, dass der Kranke ohne die Operation nur noch wenige Wochen zu leben hatte, sodass das Ehepaar auf die Forderung des Arztes einging, die hauchdünne Chance auf ein paar Jahre Leben in Liebe war den Versuch wert.

Nach Zahlung der ersten Rate führte der Chirurg denn auch die Operation durch. Der Patient überlebte, die zweite Hälfte des vereinbarten Preises wurde bezahlt. Allerdings überlebte der Patient die Operation nur für einige Wochen.

Die Witwe geriet ins Grübeln. Sie war mit dem Ergebnis der Operation unzufrieden und fühlte sich von dem Chirurgen hinters Licht geführt. Schließlich wandte sie sich an die Ärztekammer und teilte dort den Ablauf des abgeschlossenen Geschäftes mit: Geld gegen Leben.

Die Ärztekammer zeigte den Arzt an, was schließlich auch die Steuerfahndung auf den Plan rief. Deren Nachforschungen ergaben, dass auf dem Konto des Chirurgen kein der bezeichneten Summe entsprechender Betrag eingegangen war, wohl aber auf dem Konto seines Sohnes. Und nicht nur einmal, sondern oft: Insgesamt 600.000 Euro, immer in bar eingezahlt. Als wäre der Fall nicht schon schlimm genug, verwickelt der Chirurg also auch noch sein Kind in die Steuerhinterziehung. Klar, dass der geständige Arzt die Steuer nachzahlen musste und auch eine saftige Strafe erhielt.

Gesundheit bleibt das höchste Gut. Aber muss es diesen Preis haben?

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Quelle: tatort:Steuern-Die Mandantenzeitung I/2012, Seite 16, Taxarazzo

Vielen Dank an  tatort:Steuern für die Erlaubnis diesen Artikel hier zu veröffentlichen!

Über Sibille Decker

Steuerberaterin
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