Zum Valentinstag: steuerliche Vorteile durch die Eheschließung

Nachdem die  standesamtlichen Trauung vollzogen wurde, kann das Ehepaar folgende steuerrechtliche Vorteile in Anspruch nehmen:

  • Allgemeines:

Ehegatten haben im Steuerrecht ein Auskunfts- und Eidesverweigerungsrecht in Angelegenheiten, die den anderen Ehepartner betreffen, z.B. bei steuerstrafrechtlichen Ermittlungsverfahren oder Betriebsprüfungen. Bei der Zusammenveranlagung von Ehegatten bedeutet dies, dass das Auskunftsverweigerungsrecht nicht für Sachverhalte gilt, die beide Ehegatten gemeinsam betreffen.

  • Lohn- und Einkomensteuer

Ehegatten können zwischen der getrennten Veranlagung und der Zusammenveranlagung wählen.  Bei der besonderen Veranlagung, die  nur für das Jahr der Eheschließung gewählt  werden kann, werden die Steuerpflichtigen so behandelt, als ob sie   unverheiratet wären. Diese Veranlagungsform kann vorteilhaft sein, wenn für einen Ehegatten  im Jahr der Eheschließung aufgrund des Todes des vorherigen Ehegatten das  Witwensplitting angewendet werden kann.        

Bei der Zusammenveranlagung werden die Ehegatten gemeinsam als Steuerpflichtiger behandelt. Aufgrund des hierfür geltenden Progessionstarifs wirkt sie  meist steuerentlastend. Die Zusammenveranlagung führt aber nicht in allen Fällen steuerlich günstigeren Ergebnissen. Bei der getrennten Veranlagung wird wie bei der Einzelveranlagung  das zu versteuernde Einkommen  für jeden Ehegatten gesondert ermittelt. Es müssen  zwei Steuererklärungen  abgegeben werden.

Die getrennte Veranlagung kann vorteilhaft sein bei

  • Einkünften, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, z.B. bei u.a. Arbeitslosengeld I, Elterngeld, Mutterschaftsgeld, Insolvenzgeld, Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung, Kurzarbeitergeld
  • Einkünften, die der ermäßigten Besteuerung unterliegen,
  • bei Verlustausgleich bzw. Verlustabzug.

Zusammenveranlagung und getrennte Veranlagung werden unabhängig von der Steuerklassenwahl durchgeführt. Es wird getrennt veranlagt, wenn einer der Ehegatten dies beantragt.

HINWEIS: Ab dem 1.1.2013 wird es nur noch folgende Wahlmöglichkeiten für  Eheleute geben:

  • Einzelveranlagung mit Grundtarif,
  • Witwen-Splitting oder Sondersplitting im  Trennungsjahr,
  • Zusammenveranlagung mit Ehegatten-Splitting.

Ehegatten können im Rahmen des Lohnsteuerabzugsverfahrens zwischen den Steuerklassenkombinationen IV/IV, III/V und IV-Faktor/IV-Faktor wählen.

Die Steuerklassenkombination IV/IV ist zweckmäßig, wenn beide Ehegatten Arbeitslohn in etwa gleicher Höhe beziehen.

Verdient einer der beiden Ehegatten weniger als 40% des gemeinsamen Bruttoeinkommens, ist es empfehlenswert für den besser verdienenden Ehegatten die Steuerklasse III und den geringer verdienenden Ehegatten die Steuerklasse V zu beantragen.

Bei der Steuerklassenkombination IV-Faktor/IV-Faktor wird der Lohnsteuerabzug der voraussichtlichen Einkommensteuer-Jahresschuld ziemlich genau angenähert.

Die Wahl der Steuerklassen beinflußt nicht die insgesamt von den Ehegatten zu zahlende Einkommensteuer. Mit ihr wird nur festgelegt, wieviel Lohnsteuer monatlich durch den Arbeitgeber einbehalten wird.

Kapitalerträge

Ehegatten können Kapitalerträge bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags in Höhe von 1.602 € von der Abgeltungsteuer freistellen lassen.

Riesterförderung

Durch die Heirat kann ein nicht unmittelbar zulagenberechtigter Selbständiger durch seinen unmittelbar zulagenberechtigten (Arbeitnehmer-)Ehegatten mittelbar zulagenberechtigt werden und damit Ansprüche auf Riesterförderung erhalten.

Doppelte Haushaltsführung

Behalten beide Ehegatten ihre bisherigen Wohnungen oder  ist ein Ehegatte berufsbedingt  außerhalb des Ortes beschäftigt, an dem die Familie wohnt und führt dort einen weiteren Haushalt, dann haben die Ehegatten in der Regel die Möglichkeit, die daraus entstehenden Mehraufwendungen für Fahrtkosten,  Verpflegungsmehraufwendungen,  Aufwendungen für die  Zweitwohnung und Umzugskosten steuermindernd geltend zu machen.

Unterhalt

Eine Berücksichtigung von Unterhaltsleistungen an einen Ehegatten ist grundsätzlich nur bei dauernd getrennt lebenden Ehegatten oder wenn einer der Ehegatten nur beschränkt steuerpflichtig ist möglich, da Ehegatten einander gesetzlich unterhaltsverpflichtet sind.

Ein Abzug von Leistungen als außergewöhnliche Belastung ist nur bei inländischer gesetzlicher Unterhaltsverpflichtung möglich.  Als außergewöhnliche Belastungen können bis zu 8.004 € im Kalenderjahr berücksichtigt werden. Dieser Betrag erhöht sich um die für den Unterhaltsempfänger aufgewendeten Beiträge für eine Basiskranken- und Pflegeversicherung. Einkünfte und Bezüge des unterhaltenen Ehegatten mindern jedoch den maximalen Steuerabzug, wenn die Einkünfte und Bezüge des Ehegatten den Betrag von 624 € im Kalenderjahr übersteigen.

Auch Unterhalt an den nicht dauernd getrennt lebenden im Ausland ist abzugsfähig. Die gesetzlich maßgeblichen Beträge werden nach einer Ländergruppeneinteilung gekürzt.

Eine Berücksichtigung der Unterhaltsleistungen als außerwöhnliche Belastungen ist nicht möglich, wenn ein Antrag auf  Realsplitting gestellt wird.

Die Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten bezeichnet man steuerlich als Realsplitting.

Bis zu 13.805 €  sind als Sonderausgaben zu berücksichtigen,

  • wenn der  geschiedene oder dauernd getrennt lebende Ehegatte unbeschränkt einkommensteuerplichtig ist(Sonderreglungen gelten für EU/EWR-Ausländer),
  • der unterhaltsverpflichtete Ehegatte den Sonderausgabenabzug beantragt hat und
  • der geschiedene oder dauernd getrennt lebende Ehegatte zustimmt.

Auch dieser Betrag erhöht sich um die für den Unterhaltsempfänger aufgewendeten Beiträge für eine Basiskranken- und Pflegeversicherung.

  • Verträge unter Ehegatten

Insbesondere wenn einer der Ehegatten Unternehmer ist  kann es günstig sein, wenn der Ehepartner Verträge mit dem Unternehmen des Ehegatten abschließt. Dies  können beispielsweise  Arbeits-, Miet-und Pacht- oder Darlehensverträge sein. Dabei ist zu beachten, dass für die steuerliche Wirksamkeit strenge Anforderungen an diese Verträge gestellt werden.

  • Erbschaft-und Schenkungsteuer 

Bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer gelten unter Ehegatten der allgemeine Freibetrag von 500.000 € und der Versorgungsfreibetrag für den hinterbliebenen Ehegatten von 256.000 €. Der Steuersatz ist abhängig von dem Wert des die Freibeträge übersteigenden Vermögens und liegt zwischen 7 % (weniger als 75.000 €) und 30 %( mehr als 26 Mio.€).

Das Familienwohnheim kann zwischen Ehegatten  steuerfrei übertragen werden. Im Fall einer Erbschaft muss es aber mindestens für 10 Jahre selbst bewohnt werden, damit die Steuerfreiheit nicht verloren geht. Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn der Erbe aus zwingenden Gründen, z.B. als Pflegefall bei einer Betreuung im Pflegeheim, an der eigenen Nutzung zu Wohnzwecken gehindert ist.

  • Grunderwerbsteuer

Grundstückserwerbe zwischen Ehegatten sind von der Grunderwerbsteuer befreit.

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Der Inhalt ist nach bestem Wissen und dem aktuellen Kenntnisstand erstellt worden.

Haftung und Gewähr sind ausgeschlossen. Diese bleiben der Einzelberatung vorbehalten.

Foto:© Katrin Linke – Fotolia.com

Über Sibille Decker

Steuerberaterin
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