Abgrenzung des häuslichen Arbeitszimmers zur freiberuflichen Praxis

Die Kriterien für die Abgrenzung eines häuslichen Arbeitszimmers von einer freiberuflichen Praxis (häusliche Betriebsstätte)  sind höchstrichterlich  in der Rechtsprechung präzisiert worden. Die Abgrenzung ist wichtig, da für ein häusliches Arbeitszimmer nur ein begrenzter Abzug der Aufwendungen möglich ist. Die Aufwendungen für ein außerhäusliches Büro sind demgegenüber voll als Betriebsausgaben  abziehbar.

Entscheidend für die Abgrenzung des häuslichen Arbeitszimmers von der häuslichen Betriebsstätte ist das sich aus den konkreten Verhältnissen ergebende Gesamtbild unter Würdigung aller Umstände, m.a.W. die konkrete Raum- und Nutzungssituation.

Ein häusliches Arbeitszimmer liegt vor, wenn

  • der Raum seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist, d.h. der Raum darf nicht für einen intensiven und dauerhaften Publikumsverkehr geöffnet sein, beispielsweise durch einen seperaten Zugang
  • ausreichend sonstiger Wohnraum zur privaten Nutzung vorhanden ist
  • der Raum von den Privatzimmern getrennt ist; es sich insbesondere um kein Durchgangszimmer handelt
  • der Raum mit Büromöbeln ausgestattet ist; der Schreibtisch ist i.A. zentrales Möbelstück
  • die sonstige Einrichtung aus Arbeitsmitteln wie Ordnern, Bücher, PC, Drucker, Laptop, Telefon, Fax, Schreibutensilien usw. besteht
  • die Ausstattung geeignet ist, menschliche Arbeit von einer gewissen Zeitdauer zu ermöglichen
  • der Raum überwiegende der Erledigung gedanklicher oder verwaltungstechnischer bzw. organisatorischer Arbeiten dient. Darunter fallen auch Eingaben am Computer.

Eine häusliche Betriebsstätte ist nicht in die häusliche Sphäre eingebunden. Abgrenzungskriterien hierfür sind

  • die maschinelle Ausstattung; z.B. medizinische Geräte, Werkstatt
  • insbesondere die Beschäftigung von dritten, nicht familienangehörigen und nicht haushaltszugehörigen Personen. Eine Aushilfskraft reicht aus, wenn die Aufwendungen nachgewiesen werden können.
  • der Publikumsverkehr. Hierbei reichen gelegentliche Beratungsgespräche, d.h. 2 bis 3 Mal im Monat zur Begründung einer häuslichen Betriebsstätte nicht aus. Es ist ein nicht unwesentlicher Publikumsverkehr  notwendig. Es muss eine entsprechende Möblierung, z.B. mit einem Konferenztisch im Besprechungsraum vorhanden sein. Der Raum muss über einen Eingangsbereich verfügen, der sich erkennbar von den privat genutzten Räumen absetzt und es darf keine unmittelbare räumliche Verbindung zu den Privaträumen bestehen. (wie z.B. bei einer Galerieebene)
  • der Größe des Raums
  • weiteren räumlichen Gegebenheiten wie z.B. öffentlichen Toiletten, separater Kaffeeküche

Rechtsfolgen der Eingruppierung als „häusliches Arbeitszimmer“:

  • voller Betriebsausgabenabzug nur dann, wenn im häuslichen Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit liegt
  • Abzug bis 1.250 €, wenn kein anderer beruflicher Arbeitsplatz zur Verfügung steht
  • kein Abzug der Aufwendungen in allen anderen Fällen

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Der Inhalt ist nach bestem Wissen und dem aktuellen Kenntnisstand erstellt worden.

Haftung und Gewähr sind ausgeschlossen. Diese bleiben der Einzelberatung vorbehalten.

Foto: © maxexphoto – Fotolia.com

Über Sibille Decker

Steuerberaterin
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